FMO-Chef: Wir sind faktisch bereits im zweiten LockdownWie geht es weiter am FMO? Interview mit Flughafen-Chef Rainer SchwarzIch versuche mal eine Zusammenfassung des Artikels und des Interviews:
- Das Jahr 2020 sei für den FMO sehr gut angefangen - bis zum Corona-Lockdown. Man habe sich bis dahin deutlich oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts entwickelt.
- Unklare, komplexe und sich ständig ändernde Regelungen (Reisewarnungen, Testmöglichkeiten, Quarantäneregeln...) wirkten sich verheerend speziell auf die touristische Nachfrage aus.
- Als Beispiel nennt Schwarz die Teststationen an Flughäfen: Dieses System habe gut funktioniert und sei von den Pax extrem gut angenommen worden. Die Fluggäste hätten dieses Verfahren akzeptiert. Nun wird genau das bald aber wieder beendet. Faktisch müsse man nach einer Reise in Quarantäne - schon weil es dauere, bis man einen Test z.B. beim Hausarzt gemacht habe und dann das Ergebnis vorliege. Zitat: "Kein Mensch wird noch fliegen, wenn er weiß, dass er anschließend in eine 14-tägige Quarantäne muss".
- Griechenland und MUC laufen gut. FRA fehlt noch schon allein wegen fehlender interkontinentaler Umsteigemöglichkeiten.
- Schwarz lobt erneut die Belegschaft und deren Bereitschaft zur Kurzarbeit, sodass man sofort im März schnell reagieren und den Betrieb runterfahren konnte.
- Man erwartet zwar für die Zukunft gewisse Nachholeffekte, aber ein Vorkrisenniveau wird es in der Branche so schnell nicht wieder geben (nicht vor 2025).
- Der Finanzbedarf des FMO für 2020 und 2021 wird nach wie vor auf 10 Mio. Euro beziffert. Schwarz setzt das in Relation dazu, dass andere Flughäfen bereits bisher deutlich mehr Hilfen erhalten hätten und in Zukunft noch brauchen werden (DUS bis jetzt 100 Mio.). Noch habe man am FMO Liquiditätsreserven, habe aber schon im Frühjahr in den Gremien über das Thema Eigenkapitalzufuhr gesprochen.
- Generell dürfe man Flughäfen als langfristige Infrastruktureinrichtungen nicht nach kurz- oder mittelfristigen Krisen beurteilen. Die jeweiligen Regionen als Eigentümer sollten langfristig denken.
- Angesprochen auf die Insolvenz von PAD sagt Schwarz, dass das am FMO kein Thema sei. Er warnt auch vor solchen Diskussionen, denn: Das Beispiel PAD zeige, dass die Kunden sofort weg seien, sobald man das Wort "Insolvenz" nur in den Mund nehme.
- Stattdessen werde man Teile der Infrastruktur auch für neue Dinge nutzen und so Umsätze generieren. Schwarz nennt die jüngste Erweiterung (mehr Vermietungsgeschäft) an die Goldbeck-Gruppe mit der Parkleitzentrale als Beispiel, diesen Weg wolle man weiter gehen.
- Künftige neue Technologien für klimafreundlicheres bzw. klimaneutrales Fliegen könnten eine Chance für Regionalflughäfen sein, da diese Technologien voraussichtlich erst in kleinen Flugzeugen eingesetzt werden. So könnte es auch künftig noch bzw. wieder Regionalstrecken geben.
- Der FMO selbst habe seit 2010 seinen CO2-Ausstoß bereits um 90% reduziert. Als Flughafen sei man hier ein Stück weit Vorreiter. Bis 2030 werde man klimaneutral sein.
- In der Bahn sieht Schwarz, abgesehen von bestimmten Strecken wie Berlin, bis auf Weiteres keine wirklich gleichwertige Alternative. Auch die neuen Planungen für die Bahn (Deutschlandtakt etc.) würden das nicht ändern. Er nennt das Thema Zubringer zu Umsteigeflügen, konkret das Beispiel, dass man nach den jetzigen Planungen auch nach 2030 aus der Region keine Frühverbindungen in die USA ab Frankfurt per Bahn werde erreichen können. Zudem komme der Achse Hamburg-Osnabrück-Münster-Köln bei der Bahn künftig sogar weniger Bedeutung zu.